Reisebericht: "Tiefer Keller" Merseburg

Endlich haben wir es geschafft und sind in die Tiefen Keller von Merseburg gewandert.

Normalerweise würde man nichts besonderes sehen, da ein Kühlkeller einfach nur in den nächsten Kühlkeller führt, aber die Tiefen Keller wurden mit vielen Informationen und einigen Kunstwerken ausgestattet, sodass die geführte Tour wirklich interessant war.

Eingang in die Galerie und die Tiefen Keller

Antiquitäten und Kunst neben dem Eingang



Teile der ausgestellten Kunst

Ich hatte bereits vor einiger Zeit erwähnt, dass Merseburg komplett unterkellert sein soll und deswegen der Friedhof am Kloster immer mehr absackt. Wie viele Keller es genau in Merseburg gibt ist nicht weiter belegt und tatsächlich auch noch nicht erschlossen. Es gibt viele Sagen und Mythen über diese Keller u.a. auch , dass ein Keller so groß sein soll, dass man mit einer Pferdekutsche unter der Saale durch reiten konnte. Wobei der Tourguide dieses Märchen nicht ganz glauben kann, da diese Keller nur für Kühlzwecke gebaut wurden und nicht, um damit Waren zu transportieren.

Über diese Treppe gelangt man in den 1. Kellerraum

Die Keller sind namentlich das 1. Mal im 11 Jhd. im roten Buch von Merseburg erwähnt. Somit müssen die 1. Keller dort schon erbaut gewesen sein. Das letzte Mal sind sie im 17. Jhd. erwähnt. Also haben die Menschen im Mittelalter mindestens 600 Jahre ausschließlich an diesen Kellern gebaut. 


Durch die Möglichkeit Waren zu kühlen, war Merseburg eine sehr aufstrebende Stadt. Wären die vielen Brände damals nicht gewesen, wäre vielleicht Leipzig nur eine Vorstadt von Merseburg geworden. Nun ist es allerdings genau umgekehrt. Da Merseburg auf der Salzstraße zwischen Nord und Süd lag, war Merseburg ein wichtiger Umschlagplatz. Es wurde Schwarte gepökelt, Eisklumpen aus der Saale mit Jutesäcken abgedeckt und vor allem Bier gelagert. Rings um die Keller gab es alleine 7 oder 8 Kneipen bzw. Gaststätten. Von denen sind aber nur noch 2 vorhanden. 



Im 2. Weltkrieg hat man angefangen die vorhandenen Keller miteinander zu verbinden. Da sie einen optimalen Schutzbunker boten. Durch eine Rakete war das Mauerwerk nicht zu durchbrechen. Selbst ein schwerer Bagger kann direkt über den Kellern stehen und es passiert nichts. Das Rundgewölbe gibt lediglich nach, wenn man es von unten bearbeitet. Dann bricht die gesamte Konstruktion ineinander zusammen. 

Das ursprüngliche Restaurant, welches zum Tiefen Keller gehörte

Bombeneinschläge im 2. Weltkrieg

 Viele dieser Keller hat man über die Jahre zugeschüttet. Bis sich der Merseburger Kunstverein e. V. darum bemüht hat, die Keller wieder herzustellen, Durchbrüche zu machen und die Keller zu vermessen. 

 

Auf dem Bild erkennt man, wie viele Keller mittlerweile noch vorhanden bzw. erschlossen sind.

eine konservierte Spinne

Die Führung an sich zeigt nur einen kleinen Teil über knapp 400m dieser Keller. In den weiteren Kellern würde man im Prinzip nichts anderes sehen außer Hohlräume mit Lüftungsschächten. Wir haben auch einen Brunnen gesehen, den man nicht weiter ausgebaut hat. Sondern nur so weit gegraben hat, bis das Loch konstant 1m Grundwasser enthält. Wie tief dieser Brunnen also wirklich geht, weiß man nicht genau.

Hier sollen die Kinder immer als 1. rufen: Ist doch klar, dass es um die Entstehung geht,
da ist ja auch die Eichel von IceAge!

Unser Guide ist mittlerweile in einem Alter, der weitere Erschließungen der Jugend überlassen möchte. Eventuell braucht es wieder 600 Jahre bis wirklich alle Geheimnisse dieser Keller entdeckt worden sind, wer weiß 😉

Dies soll den Saalealf darstellen (einen Geist aus der Saale) und daneben eine Gestalt die Wasser (nach der Klimakrise) nur noch aus einem Filter trinken kann

Unser Guide erzählte auch, dass er ganz glücklich darüber war, dass ein anliegendes, baufälliges Haus einen Investor gefunden hatte. Denn in diesem Haus wohnte ein wichtiger Wegbereiter der Stadt Merseburg. Für 1.000.000 € hat eine Leipziger Ärztin dieses Haus restauriert und somit die Möglichkeit gegeben, aus den Kellern einen kleinen Rundgang zu machen und Herrn Oeltzschner Geburtshaus zu erhalten. 



Somit führt der Weg nun zu einem anderen Ausgang als dem Einstieg. Der Guide und Besitzer eines Teiles der Keller möchte die Räumen noch weiter ausbauen, um die Möglichkeit für weitere Veranstaltungen zu bieten. Bisher gab es dort schon Kellerweihnachten und Konzerte. 


Ein Besuch ist aber auf jeden Fall zu empfehlen! Der Kleine fand es jetzt nicht ganz so spannend, aber ich denke so ab Luna ihrem Alter ist es definitiv zu empfehlen (also so ab 12 Jahren bestimmt).

Wenn du noch mehr über diese Keller erfahren möchtest, kannst du dich gerne auf der Seite der Keller belesen  Die Keller oder einfach mal selbst vorbei schauen. Wer weiß, wie lange man diese Kelleranlage noch besuchen kann.


1 Kommentar:

  1. Das war bestimmt eine interessante Führung liebe Sabina,
    ich mag solche Ausflüge. Besonders die unter die Erde.
    Und pass ein bisschen auf, nicht, dass Du nochmal in so eine Situation beim Fahrradfahren kommst...
    Ganz lieben Gruß
    Nicole

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